“Digitale Kanban-Tools” – das 47. Treffen der Limited WIP Society Cologne

Das 47. Treffen der Limited WIP Society Cologne nutzten wir diesmal für einen Erfahrungsaustausch über (digitale) Werkzeuge für Kanban.

Die initiale Sammlung brachte eine Reihe von Tools hervor, zu denen aus der Teilnehmerschaft praktische Erfahrungen in die Diskussion eingebracht werden konnten. Vorab zur Sicherheit noch ein Disclaimer: Im Folgenden gebe ich nur die von den Teilnehmern geäußerten persönlichen Erfahrungen und Eindrücke in Bezug auf die Werkzeuge wieder.

Zunächst haben wir uns Lean Kit (http://leankit.com/product/) gewidmet. Lean Kit ist eine reine Web (SaaS) Lösung und wird durch die gleichnamige LeanKit entwickelt und vertrieben. In einer Premium Version kann LeanKit auch in einer privaten-Cloud getrennt von anderen Installationen betrieben werden. LeanKit bietet eine sehr umfangreiche Umsetzung der Kanbanmethode. So gibt es z. B. die Möglichkeit die Beachtung von WIP Limits zu erzwingen. Überzeugen kann auch das sehr flexible Boarddesign, eine gute Zoomingtechnik und gute und umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten. Weniger gut gelungen erscheint die Darstellung der Karten. LeanKit ist nur für kleine Teams (3 User, 2 Boards) umsonst. Die Lizenzkosten sind ansonsten nicht unerheblich (12 $ pro User und Monat in der Standardversion – Details siehe hier http://leankit.com/pricing/). LeanKit als Firma ist durch Mitarbeiter in der Kanban-Community sehr aktiv. Auf der Webseite findet sich darüber hinaus ein umfangreicher Learning Center rund um Kanbanthemen (http://leankit.com/learn/kanban/).

Jira-Agile von Atlassian (https://de.atlassian.com/software/jira/agile) bietet als Erweiterung für Jira die Möglichkeit in Jira verwaltete Issues auch über ein Kanbanboard zu visualisieren. Jira Agile kann sowohl in der Cloud als SaaS Lösung oder aber selbstgehostet betrieben werden. Die initiale Konfiguration ist recht aufwendig und die Flexibilität des Boarddesigns ist eher eingeschränkt. Auch im laufenden Betrieb sind Anpassungen eher aufwändiger und erfordern Jira Spezialknowhow. Dies kann dazu führen, dass Anpassungen am Prozess und am Board nur aus diesem Grund unterlassen werden und somit ein Grundprinzip von Kanban („pursue incremental, evolutionary change“) nicht verfolgt werden kann.  Es gibt Auswertungsmöglichkeiten. Hier fehlen aber ein paar der “Standardkanbanauswertungen”. Aufgrund der Tatsache, dass alle Karten als Issues in Jira vorliegen, können sehr komplexe Filter definiert werden. Jira bietet darüber hinaus als Issuetracker Möglichkeiten zur Vorgangssteuerung. Eine besondere Stärke kann Jira Agile ausspielen, wenn auch weitere Atlassian Tools wie z. B. Stash und Bamboo eingesetzt werden und somit durch “verschieben” von Karten auf dem Board z. B. Branches in Stash und Buildprozesse in Bamboo angestoßen werden. Jira hat eine Umfangreiche Rest-API mit der sowohl Daten ausgelesen als auch Manipulationen an Karten durchgeführt werden können. Es gibt verschiedene Lizenzmodelle. Als kleinste Variante können für 20$ pro Monat in der Cloud zehn Benutzer Jira Agile verwenden. Details zum Pricing findet man hier https://de.atlassian.com/software/jira/pricing.

Trello bietet ein Kanbanboard in der Cloud an (www.trello.com). Die Möglichkeiten des Boardlayouts sind gering. So gibt es zum Beispiel keine Swimlanes. Gerade hierdurch und durch die gelungene Kartendarstellung spielt Trello aber auch seine Stärken in Bezug auf Übersichtlichkeit und Bedienbarkeit aus. Über eine API kann recht einfach programmatisch auf die Boards und die Karten zugegriffen werden. Über diesen Weg lassen sich dann auch Kanbankennzahlen erzeugen. Es gibt eine Vielzahl von Addons. Trello ist in der Basisversion kostenlos. Es gibt mit Trello Gold eine Bezahlversion mit eher unwesentlichen Ergänzungen. Trello Business Class bietet interessante Ergänzungen in Bezug auf Benutzerverwaltung und co.

Der Team Foundation Server (TFS) von Microsoft ist naturgemäß sehr gut in Visual Studio integriert. Es sind nur einfache Boardlayouts möglich. Ein interessantes Feature stellt die Möglichkeit dar Karten auszudrucken, um diese dann zusätzlich auf einem physischem Board zu visualisieren.

Kanbanik wurde ursprünglich von google entwickelt und ist jetzt kostenlos und Open Source auf Github (http://kanbanik.github.io/kanbanik/) verfügbar. Kanbanik basiert auf Scala und nutzt eine Mongo-DB zur Datenablage. Kanbanik ist vom Funktionsumgang eher beschränkt, kann im Gegensatz zu vielen cloudbasierten Tools aber lokal / privat installiert und betrieben werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass je nach Anwendungszweck und Kostenrahmen sehr unterschiedliche Werkzeuge geeignet erscheinen. Digitale Kanbanwerkzeuge können es in Bezug auf Anfassbarkeit und Visualisierung nicht mit physischen Boards aufnehmen. Große Monitore oder Smartboards im Teamraum können dies in Teilen auszugleichen. Zusätzlich sollte immer auch über ein physisches Board als Ergänzung zum digitalen nachgedacht und vor dem doppelten Pflegeaufwand nicht zurückgeschreckt werden.

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Über Harald Schlüter

codecentric AG
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