“Modelle in Kanban” – das 46. Treffen der Limited WIP Society Cologne

Das Juni Treffen der Limited WIP Society Cologne haben wir dem Thema “Modelle in Kanban” gewidmet. Modelle stellen eine vereinfachte Abbildung der Realität dar, um diese erklären und besser verstehen zu können. Komplexe Sachverhalte werden durch Vereinfachung, Generalisierung und Abstraktion verständlich gemacht. Ziel kann dann die zum Beispiel die Vorhersage von zukünftigen Verhalten sein oder aber auch das Wiedererkennen von Situationen anhand von Mustern sein.

Im Kontext von Kanban gibt es eine Reihe von interessanten Modellen. Die folgenden Modelle konnten wir für unseren heutigen Tag identifizieren:

  • S-Curve / Z-Curve
  • Weibull
  • J-Curve
  • Satir Change Modell
  • Cynefin
  • Cost of delay
  • Theory of constraints

Die Theory of constraints haben wir aufgrund der hohen Komplexität auf die Liste möglicher Themen für ein Folgemeeting gesetzt. Allen anderen Modellen haben wir 10-15 Minuten zur Vorstellung und Diskussion gewidmet.

S-Curve / Z-Curve

S-Curve / Z-Curve

S-Curve / Z-Curve

Die S-Curve / Z-Curve stellen eine Effizienzkurve über einen Zeitraum dar. Betrachtet man zum Beispiel ein Softwareentwicklungsprojekt, so kann man nur in der Mitte der Projektlaufzeit von einer linearen Steigung der Kurve ausgehen. Studien gehen davon aus, dass 60% diesen Linearen Verlauf annehmen, während sowohl zu Projektbeginn, als auch zum Ende jeweils 20% eine deutlich flachere Steigung aufweisen. Das Modell verdeutlich somit, dass bei Maßen wie der Velocity Vorsicht in Bezug auf die Hochrechnung von Projektlaufzeiten angebracht ist. Ein Konsequenz auf der Anwendung dieses Modells kann sein, dass man Projektendtermine erst kommuniziert, wenn man sich im 60% Bereich der Kurve befindet.

Weibull
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Die Weibull Verteilung ist eine Wahrscheinlichkeitsverteilung. Es wird angenommen, dass für Wissensarbeit die Verteilung der Leadtime einer Weibullverteilung mit Shape-Parameter 1,5 folgt und nicht einer Normalverteilung. Leadtimes weisen eine Häufung Links der Mitte auf. Legt man eine solche Verteilung über ein Histogramm (vergleiche auch das vorherige Meeting) so kann auch ohne eine sehr große Datenanzahl auf die Verteilung der weiteren Datenpunkte geschlossen werden. Somit können dann Wahrscheinlichkeiten für Cycle Times und percentile für SLAs ermittelt werden.

J-Curve:

(Organisatorische) Veränderungen erzeugen zu Beginn immer eine eine Delle. Dies wird anhand der J-Curve dargestellt. Die J-Curve und die dahinterliegende Annahme ist somit eine Motivation für die Verwendung von Kanban als Veränderungsmethode, da Kanban evolutionärere Veränderungen fördert und somit anstelle einer großen Veränderungsdelle viele kleine Veränderungen einen stabileren Produktivitätsgewinn versprechen.

Satir Change Model
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Das Satir Chance Model ist eine Sonderform der J-Curve. Es dient zum Erklärung von Verhaltensmustern im Änderungsprozess. Der klassische Verlauf hier ist das Verharren im alten Zustand auch nach eintreten eines externen Impulses, gefolgt von einer Phase des Chaos. Der Weg aus dem Chaos folgt im allgemeinen einem in dieser Phase wahrgenommenen stabilisierenden Element, wobei schwer vorhersehbar ist, welches Element hier tatsächlich wirkt. Das bewusste Einbringen stabilisierender Elemente von aussen ist sowohl bei Personen als auch bei Organisationen schwierig, weshalb es oft spezialisierten Berufsgruppen übertragen wird. Wichtig ist unter anderem zu warten, bis es zu einer Reaktion auf das initiale Ereignis gekommen ist (Chaos), bevor stabilisierende Aktivitäten überhaupt wirken können. (Beispiel: Trauerverarbeitung: Erkennen wo Resitance endet und Chaos beginnt.)

Cynefin

Das Cynefin Framework

Das Cynefin Framework

Über das Cynefin-Framework haben wir beim 40. Treffen der Limited WiP Society Cologne ausführlich gesprochen. Nachzulesen hier ist dies hier: https://lwscologne.wordpress.com/2014/12/19/feedbackschleifen-in-kanban-das-40-treffen-der-limited-wip-society-cologne/

Cost of delay

Cost of delay wird in Kanban verwendet, um für unterschiedliche Serviceklassen darzustellen, wie sich Kosten einer (verspäteten) Lieferung von Work Items im Zeitablauf entwickeln.

Im wesentlichen werden dabei vier Typen unterschieden.
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  • Standard: Linear im Zeitablauf steigende Kosten
  • Fixed Date: Die Kosten steigen abrupt an einem Stichtag an
  • Expedite: Sofortige maximale Kosten, die vom aktuellen Datum kontinuierlich anfallen
  • Intangible – Die Kosten sind nicht vorhersehbar, aber werden in der Zukunft höchst wahrscheinlich anfallen

Basierend auf dem Cost of Delay Modell ist es möglich die Work Items in Bezug auf Ihre Abarbeitung zu priorisieren.

Als Fazit für den Abend lässt sich festhalten, dass die vorgestellten Modelle Hilfen für die Einschätzung komplexer Situationen geben können. Auch wenn 10-15 Minuten, die wir jedem Modell widmen konnten, sicherlich nur einen ersten Einblick vermitteln konnten, wurde zudem der Aspekt hervorgehoben, dass die einzelnen Modelle einander ergänzen und je nach Fragestellung unterschiedlich miteinander verknüpft werden können – und sollten.

Von: Harald Schlüter (@HaraldSchlueter) und Michael Mahlberg (@MMahlberg)

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Über lwscologne

Die Leute aus Köln, die sich für Lean und Kanban interessieren.
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